Montag, 6. April 2015

Auf den Spuren von Davey Gunn (Fiordland, Neuseeland)

Im Februar 2015 war ich für 2 Wochen in der Martins Bay Lodge. Sie liegt am Ende des Hollyford Valleys in der Martins Bay im Nationalpark Fjordland im Südwesten der Südinsel Neuseelands. Das Hollyford Valley ist wie weite Teile des Fjordlandes unbesiedel. Die Martins Bay Lodge liegt mitten im Dschungel der Südinsel - die Region im Umkreis von ca. 30km rund um die Lodge ist nicht bewohnt und es gibt keine Verkehrsanbindung. Der Bau eines Weges durch das Tal scheiterte 1870 als man Gold aus der nördlich gelegeneren Region Otago nach Australien transportieren wollte. Die einzige Möglichkeit zur Lodge zu kommen ist zu Fuß (Wanderweg - Hollyford Track) oder per Hubschrauber. 

























Geschichte

Leben gab es im Hollyford Valley - damals: Das ehemalige kleine Dorf Jamestown am Lake McKerrow in der Nähe der Martins Bay Lodge hatte zwischen 1870 und 1873 rund 50 Bewohner. Das Leben wart hart, die Wege zum nächsten Dorf weit und man ernährte sich überwiegend von Taube, Kartoffel und Co. Alice McKanzie, die mit ihrer Familie als Nachkommen von schottischen und irischen Einwanderern in dem Jamestown wohnte, erzählt in ihrem Buch "Pioneers of Martins Bay" über das Leben in der Region:



Martins Bay Lodge


Die Martins Bay Lodge ist wie die Pines Lodge Eigentum der Hollyford Valley Track Ltd mit Sitz in Queenstown. Die Firma unter der Leitung von Travis bietet geführte Mehrtageswanderungen für Gruppen inklusive Jetbootfahrten und Hubschrauberflug durch das Hollyford Valley an. Die 3-Tagestour startet mit einer Bustour ins das Tal; es folgt eine Wanderung auf flachen Tracks durch das Tal, eine Übernachtung in der Pyke Lodge, eine Jetbootfahrt über den Lake McKerrow, eine Übernachtung in der Martins Bay Lodge und einem Rückflug per Hubschrauber über den Milford Sound. Die Gruppengrösse reicht bis zu 16 Personen zuzüglich 2 Guides, die über die Region und die Schutzprojekte berichten. Die Gäste sind meist Kiwis, Australier oder US-Bewohner im Alter zwischen 40 und 70 Jahren. Die gesamte Tour kostet inklusive Übernachtungen, Verpflegung und Transport 1.400$ (1.000€).

Die Martins Bay Lodge beschäftigt pro Saison (Oktober bis April) 3 Leute. Aktuell Emily, Heath und Chris (alle um die 30 Jahre alt), die sich im 2-Wochen-Rhythmus mit anderen Hosts abwechseln. Die Helfer halten die Lodge am Laufen, kochen und kümmern sich um die Gäste. Die ständig wechselnden Volunteers bleiben mindestens 10 Tage und werden, wie alles andere, was benötigt wird, per Hubschrauber eingeflogen. Es gibt Strom aus dem Generator, Regenwasser zum Trinken, Flusswasser zum Spülen und ein Satteliten-Telefon bzw Internet und kein Telefonnetz oder gar ein Fernsehen. Die Lodge ist ein wahres Luxus-Domizil mitten im Regenwald der wilden und regnerischen Südwestküste. Die Gäste lieben die Abgeschiedenheit und den Luxus zugleich. 


Für mich war die Zeit in der Martins Bay eine neue und spannende Erfahrung - fernab der Zivilisation und ohne viel Kontakt zur Aussenwelt (erlaubt war das Internet für max. eine Stunde pro Tag zu nutzen). Mein Tagesablauf wiederholte sich in den 14 Tagen, in denen ich vor Ort war, täglich: Nachdem die Gäste abreisten sind (sie werden vom Helikopter abgeholt) beginnt die Arbeit für uns: Betten machen, Zimmer und Gemeinschaftsräume säubern, die Lebensmittel, die der Hubschrauber mitbringt, sortieren und die Mahlzeiten für die nächsten Gäste vorbereiten. 

Nach den meist 4 Stunden Arbeit: Freizeit. Und das bedeutete für mich täglich: Raus aus der Lodge (übrigens ausschließlich mit dem Walkie-Talkie, um im Notfall Kontakt zur Lodge herzustellen)! Es gibt genau zwei Wege rund um die Lodge, aus denen man auswählen kann: Den Track hinauf ins Landesinnere, bis man nach einer Stunde am Lake McKerrow rauskommt, oder den Track hinunter Richtung Meer, bis man nach ca. 1,5 Stunden an der Martins Bay Hut und am Long Reef bei den Seelöwenkolonie rauskommt. Alle Wege führen durch den immergrünen moosigen Regenwald mit einem hohen Bestand an Silverbeech (Silberbuche) und queren mehrere ausgetrocknete steinige Flusstäler. Weitere Möglichkeiten gibt es kaum; alles andere ist wildes Buschland und es gibt kaum ein "Durchkommen" durch den dicht mit Farn bewachsenem Busch. 

Und was macht man sonst so, mitten in der Wildnis? Jeden Tag? Das Buschland erkunden, Pinguine finden, die Seelöwen besuchen, von Sandflys aufgefressen werden, Kayak oder Speedboat fahren, Vögel entdecken, die ehemaligen Reste von Jamestown suchen - immer mit den Gedanken bei Davey Gunn: Was würde Davey Gun jetzt machen? War er genau hier? Wo war der Flugzeugabsturz? 
Wer war Davey Gunn?

Davey Gunn (David John Gunn) ist in der Region eine Legende und seine Geschichten haben mich ab dem 1. Tag in der Lodge fasziniert. Gunn ist eigentlich der Begründer des Hollyford-Tracks. Er hat den McKanzies-Brüdern im Jahr 1926 rund 25.000 ha Farmland abgekauft und sich 1929, Frau und Kinder zurücklassend, als Farmer alleine im Hollyford Valley niedergelassen. Das Buschland im Tal war zu dem Zeitpunkt noch völlig verwildert, so baute er bald Wege (der heutige Hollyford Track) und Wegehütten. Im Jahr 1936 wurde Gunn zum Nationalheld: Nach einem Flugzeugabsturz in der nahegelegenen Big Bay rettete Gun die 4 Insassen und brachte sie ins nächste Dorf - für die Strecke, die man normalerweise in 4 Tagen zurücklegt, brauchte er 21 Stunden. Ein Gedenkstein, der an diese Heldentat erinnert, ist noch heute am "Marians Corner" am Eingang zum Tag zu finden.  

Tief beeindruckt von Gunn und seinen Geschichten entschloss ich mich am Ende meiner Zeit als Volunteer in der Lodge das 25km lange zweite Teilstück des Hollyford Track zurück zum Startpunkt des Trails zu gehen - auch wenn ich damit auf einen weiteren Hubschrauber-Flug verzichten musste. 

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